Chinas Bekleidungsfirmen positionieren sich neu

Automatisierung und stärkerer Fokus auf den Binnenmarkt / Von Stefanie Schmitt, gtai

Beijing (GTAI) - Die chinesische Bekleidungsbranche stellt sich neu auf. Gestiegene Lohnkosten zwingen zu mehr Automatisierung, anspruchsvollere Kunden zu mehr Qualität.

Nirgendwo auf der Welt wird so viel Bekleidung produziert wie in China. Allein an Socken wurden 2017 laut dem Branchenportal http://www.ask.com 22,9 Milliarden Paare hergestellt. Das waren 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr, und die Produktion von Jeans betrug nach Informationen von http://www.chyxx.com mehr als 0,6 Milliarden Stück, ein Plus von 5,0 Prozent.

China ist nicht nur die weltgrößte Produktions-, sondern auch die mit Abstand weltgrößte Exportnation der Branche. Allerdings holen Länder wie Indien, Vietnam, Bangladesch oder Kambodscha aufgrund günstigerer Löhne gewaltig auf. In der Folge verlor China - gemessen an den Anteilen am Weltexport von Bekleidung - seit 2013 etwa 5,5 Prozentpunkte auf nur noch 32,4% im Jahr 2017.

Chinas Anteil an den Weltbekleidungsausfuhren 1) (in Mrd. US$; Anteile in%)

 

2008

2013

2015

2017

Weltexport

380

468

471

486

Chinas Export

120

177

175

157

Anteil Chinas

31,6

37,9

37,1

32,4

1) SITC-Pos. 84; 2) teilweise geschätzt auf Basis der Angaben des ITC

Quellen: UN-Comtrade; ITC; GTAI-Berechnung

Zulegen konnten im Zeitraum 2013 bis 2017 hingegen insbesondere Bangladesch (+3,7 Punkte), Vietnam (+2,0) sowie Kambodscha (+1,3 Punkte). In absoluten Zahlen gingen die chinesischen Bekleidungsexporte seit dem Rekordjahr 2014 (187 Milliarden US-Dollar) um 15,6% auf 157 Milliarden US$ zurück. Besserung ist nicht in Sicht, da die Ausfuhren auch 2018 stagnierten.

Ausfuhr von Bekleidung 1) nach Ländern (in Mio. US$; Anteile in %)

 

2008

Anteile

2013

Anteile

2017 2)

Anteile

Weltexport

380.000

100,0

468.000

100,0

486.000

100,0

China

120.405

31,6

177.435

37,9

157.464

32,4

ASEAN 3)

29.793

7,8

42.123

9,0

61.441

12,6

.Vietnam

8.724

2,3

17.230

3,7

27.930

5,7

.Kambodscha

3.014

0,8

4.832

1,0

11.250

2,3

Bangladesch

12.035

3,2

19.679

4,2

38.460

7,9

Indien

10.968

2,9

16.843

3,6

18.313

4,0

Deutschland

18.183

4,8

19.178

4,1

22.034

4,6

1) SITC-Pos. 84; 2) teilweise geschätzt auf Basis der Angaben des ITC; 3) ohne Laos und Brunei

Quellen: UN-Comtrade; ITC; GTAI-Berechnung

Steigende Lohnkosten als Investitionstreiber

Aufgrund landesweit steigender Personalkosten standen und stehen die Hersteller unter ganz erheblichem Kostendruck. Mit einem durchschnittlichen Stundenlohn für einen chinesischen Arbeiter von umgerechnet rund 5,2 US$ (2017) hat China nicht nur klassische Schwellenländer wie Thailand (2,3 US$) oder Mexiko (3,9 US$) hinter sich gelassen - von Indien mit 0,8 US$ gar nicht zu reden -, sondern nähert sich bereits an einzelne europäische Länder an (zum Beispiel Griechenland 2016: 6,0 US$)

Dieser Herausforderung begegneten und begegnen die Firmen durch verstärkte Automatisierung. Allein zwischen 2015 (9,1 Millionen) und 2017 (7,8 Millionen) schrumpfte der Personalstamm der Textil- und Bekleidungsindustrie laut chinesischem Statistikamt um 14,3 Prozent. Mehr und bessere Maschinen ermöglichen den Abschied von der bisherigen arbeitsintensiven Fertigung - und damit einhergehend geringerem Kostendruck bei präziserer und schnellerer Ausführung. Hiervon profitieren auch die Textilmaschinenimporte. Diese stiegen 2017 gegenüber dem Vorjahr um satte 34,1 Prozent auf fast 3,9 Milliarden US$.

Chinas Konsumenten verlangen Qualität und Design

Damit ist der chinesische Bekleidungsmarkt einer der größten der Welt - und einer, der sich immer stärker auffächert. Das lokale Angebot reicht von billigster Massenware, qualitativ und optisch ansprechenden Erzeugnissen im mittleren Preissegment bis hin zu Luxus und Haute-Couture. Insbesondere im oberen Preissegment hat sich viel verändert. "Früher haben die Chinesen die besten Qualitäten exportiert, heute behalten sie sie selbst", beschreibt eine seit Jahrzehnten im Kaschmir-Business tätige britische Sourcing-Expertin die Entwicklung.

Generell zeigen sich die chinesischen Konsumwünsche zunehmend anspruchsvoller und differenzierter. Außerdem ist neben dem Hang zu anerkannten Marken eine zunehmende Individualisierung des Konsums zu beobachten. Gefragt ist, was gut passt, gefällt und überdies irgendwie "besonders" ist. "Früher kauften die Leute im Norden Kaschmirkleidung, weil sie gut wärmte", erklärt Cheng Xudong, Präsident der privaten Dongrong Group. Das Design war zweitrangig - und entsprechend "altbacken" kamen die meisten Stücke daher.

"Heute sieht Kaschmir-Kleidung außerdem gut aus," ergänzt Cheng. "Deshalb wird sie heute nicht nur im Norden sondern auch in den südlicheren Landesteilen gekauft." Generell ist insbesondere der Mittelstand auf der Suche nach einem qualitativ hochwertigem Lebensstil - und Kleidung ist ein Teil davon. Wenn es der Textil- und Bekleidungsindustrie gelingt, sich über ein technisches Upgrade und verbessertes Design an die qualitativ höheren Ansprüche der lokalen Kunden anzupassen, dann wird es der Branche auch in Zukunft gut gehen, davon ist der Unternehmer überzeugt. (G.S.)

Zusatzinformationen

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