Bekleidungsindustrie in Bangladesch zieht an

Programme für Sicherheit und Modernisierung durchgeführt / Von Rainer Jaensch, gtai

New Delhi (GTAI) - Bangladeschs Bekleidungshersteller freuen sich über wachsende Exporteinnahmen. Sie investieren jetzt auch in moderne Produktionstechnik sowie in Umwelt- und Arbeitsschutz.

Im Frühjahr 2013 stürzte nördlich der Hauptstadt Dhaka das Rana Plaza-Gebäude samt fünf Bekleidungsfabriken ein und begrub über tausend Menschen unter sich. Nach dieser Katastrophe, die internationales Aufsehen erregte, wurden umfangreiche Programme für mehr Sicherheit und Modernisierung der Industrie durchgeführt.

Bangladeschische Unternehmen scheinen aus ihren Fehlern gelernt zu haben. Mitte Oktober 2018 berichtete die Umweltorganisation Greenpeace von einer hochmodernen Textilfabrik in Bangladesch in der Größe einer Kleinstadt. Der Umgang mit Chemikalien sei vorbildlich. "Leistungsstarke Kläranlagen filtern die Abwässer. Besonders gefährliche Superschadstoffe werden sogar komplett aus der Produktion entfernt und durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt. Damit ist die Fabrik, die unter anderem Lidl, Levi's und Puma beliefert, auf dem besten Wege giftfrei zu werden", berichtet Greenpeace.

Diese Einschätzung teilt auch Werner Lange, Textilexperte der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Gespräch mit Germany Trade & Invest, fügt aber hinzu, dass dieses Vorzeigebeispiel nicht die Regel sei. Nach Einschätzung der GIZ erfüllt die Mehrzahl der Bekleidungsfabriken in Bangladesch noch nicht ausreichend die nationalen und internationalen Sicherheits- und Umweltstandards in ihrer Produktion. Die bangladeschische Regierung scheint jedoch die Qualität der Textilprodukte auch unter Umweltgesichtspunkten verbessern zu wollen. So verabschiedete das Parlament Mitte September das Textilgesetz 2018, das die Schaffung eines Direktorats zur Überprüfung der Grunddaten von Textilprodukten einschließlich Inhaltsstoffen wie Farben und Chemikalien vorsieht. Hierzu wird ein Labor zur Durchführung von Inspektionen eingerichtet.

Skepsis besteht jedoch hinsichtlich der vorzeitigen Kündigung der Vereinbarung Accord and Building Safety in Bangladesh. Darin hatten sich lokale Textilfabriken und ausländische Einkäufer verpflichtet, externe Überprüfungen der Produktionsstätten bezüglich Arbeitssicherheit durchzuführen und Abhilfe zu schaffen. Nach einem Urteil des obersten Gerichts soll nun Accord seine Tätigkeit Ende November 2018 einstellen. Statt von unabhängigen externen Kontrolleuren werde dann die Aufgabe von einer neu zu schaffenden staatlichen Stelle übernommen, und dies in einem Land, in dem zahlreiche Politiker selber Textilfabriken besitzen.

Know-how und Technologie aus Deutschland gefragt

Auch internationale Organisationen unterstützen die Branche bei ihren Bemühungen sauberer und sicherer zu werden. Unter Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wird beispielsweise von 2017 bis 2020 das Projekt zur Unterstützung von Sicherheitsnachrüstungen und ökologischen Verbesserungen in Bangladeschs Bekleidungsindustrie durchgeführt. Unternehmen aus der Branche bekommen Darlehen für entsprechende Modernisierungsmaßnahmen.

Verbesserungsbedarf besteht vor allem im Bereich der Wassernutzung und -aufbereitung. Schließlich ist die Textilindustrie einer der größten Wasserverschmutzer in Bangladesch. Wasseroptimierungsverfahren bei Färben, Waschen und Aufbereitung sind gefragt. Hierbei dürfte deutsche Technologie gute Chancen haben, schätzt der GIZ-Experte Lange. Ein weiteres Thema ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einschließlich Arbeitssicherheit und Brandschutz.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist mit über 80 Prozent der gesamten Deviseneinnahmen von zentraler Bedeutung für Bangladesch. Mit der Branche geht es weiter aufwärts. Der Export von Bekleidung und anderen Textilwaren legte von Juli bis September 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 14,7 Prozent zu und erreichte damit 8,2 Milliarden US-Dollar (US$). Von Januar bis September 2018 wurden Bekleidung und Textilien im Wert von 24 Milliarden US$ ausgeführt.

Im Fiskaljahr 2017/18 (1.7. bis 30.6.) erzielten die Exporteure 30 Milliarden US$ an Devisen und damit fast 8 Prozent mehr als im Fiskaljahr zuvor. Das Gros entfiel mit nahezu der Hälfte der Deviseneinnahmen auf Strickwaren, gefolgt von Webwaren mit rund einem Drittel sowie Jutewaren und Heimtextilien mit kleineren Anteilen. Während die Ausfuhr von Strickwaren um 9,4 Prozent stieg, legten Webwaren um 4,2 Prozent zu. Die wichtigsten Abnehmer sind Deutschland und die USA.

Bangladeschs Ausfuhr an Bekleidung und anderen Textilwaren (in Mio. US$)

 

2016/17 *)

2017/18 *)

Veränderung in %

Fertigbekleidung

21.080

22.578

7,1

Strickwaren

11.770

12.878

9,4

Webwaren

9.310

9.700

4,2

Jute und Jutewaren

948

906

-4,4

Heimtextilien

380

467

22,9

Ausfuhr aus den Export Processing Zones (überwiegend Textilprodukte)

5.214

5.785

11,0

Insgesamt

27.622

29.736

7,7

       

Nach Abnehmern

     

Deutschland

3.722

4.075

9,5

USA

3.672

3.804

3,6

Großbritannien

2.427

2.672

10,1

Spanien

1.495

1.743

16,6

Frankreich

1.490

1.567

5,2

Italien

1.142

1.284

12,4

Polen

612

795

29,9

Niederlande

585

678

15,9

Kanada

739

749

1,4

Japan

552

589

6,7

*) Fiskaljahr vom 1.7. bis 30.6.

Quelle: Bangladesh Bank (Zentralbank)

Ehrgeiziger als der bisherige Exportverlauf sind die Zielvorgaben des Herstellerverbandes Bangladesh Garments Manufacturers and Exports Association, die ähnlich auch der Fünfjahresplan der Regierung vorsieht. Bis zum Fiskaljahr 2020/21 sollen die Devisenerlöse der Branche auf 50 Milliarden US$ und damit um satte 20 Milliarden US$ steigen. Falls jedoch bei jährlichen Steigerungsraten von 10 Prozent Devisenerlöse in Höhe von 40 Milliarden bis Mitte 2021 erzielt werden, ist dies laut Branchenkennern immer noch ein gutes Ergebnis. Sie gehen von einem weiterhin spürbaren Wachstum der Industrie aus. Hierbei sollen auch die Investitionen helfen.

In der Tat ging es auch beim Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in die Textil- und Bekleidungsindustrie 2017/18 aufwärts. Lagen die Nettozuflüsse in den drei vorherigen Fiskaljahren bei 352 Millionen, 396 Millionen und 360 Millionen US$, so stiegen sie zuletzt auf fast 460 Millionen US$. Damit ist der Bestand im Juni 2018 auf 3,1 Milliarden gegenüber 2,6 Milliarden US$ im Vorjahresmonat gestiegen. Die größten Investitionen kommen aus Südkorea (Bestand Ende Juni 2018: 964 Millionen US$), gefolgt von Hongkong (462 Millionen US$) und Großbritannien (339 Millionen US$). Trotzdem liegt das Gros der Industrie in lokalen Händen.

Mit steigenden Exporteinnahmen dürften auch die Investitionen zunehmen, schätzt die Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association im Gespräch mit GTAI. Auch streben die Verbandsmitglieder zu höherwertigen Erzeugnissen. Bislang exportiert Bangladesch zu 80 Prozent Niedrigpreisprodukte wie Hosen, Hemden und T-Shirts. Bestrebungen gehen nun in Richtung Anzüge, Lingerie sowie Sport- und Funktionskleidung.

Als zweitgrößter Exporteur von Bekleidung ist Bangladesch auch ein wichtiger Markt für Textilmaschinen. Deutsche Anbieter liefern vor allem Maschinen und Apparate zum Waschen, Färben etc. und haben in den vergangenen Jahren in dieser Sparte zulegen können. Bei anderen Textilmaschinen war jedoch der Trend eher rückläufig.

Ausfuhr von Maschinen aus Deutschland nach Bangladesch (in Mio. US$)

HS-Position

Warenbezeichnung

2015

2016

2017

Veränderung 2016/2017 in %

8444

Düsenspinnmaschinen

-

2,0

0,6

-70,0

8445

Spinnmaschinen

33,7

47,4

15,3

-67,7

8446

Webmaschinen

2,5

3,5

1,1

-68,6

8447

Wirk- und Strickmaschinen

45,6

13,9

21,9

57,6

8448

Hilfsmaschinen

27,8

21,0

21,2

1,0

8449

Maschinen Herstellen Filz oder Vliesstoffen

0,1

-

-

-

8451

Maschinen um Waschen, Trocknen, Bügeln, Beschichten etc.

29,5

39,2

49,4

26,0

8452

Nähmaschinen

4,9

5,7

5,0

-12,3

 

Insgesamt

144,1

132,7

114,5

-13,7

Quelle: Statistisches Bundesamt

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