Milliarden-Investitionen für die usbekische Textilbranche

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Neue Ausbauprogramme bieten Kooperations- und Lieferchancen / Von Uwe Strohbach Taschkent (GTAI) - Usbekistan forciert den Auf- und Ausbau einer leistungsfähigen Textil- und Bekleidungsindustrie. Mindestens 200 bedeutende Projekte sind geplant.

Die Republik Usbekistan hat beste Voraussetzungen, zu einem Hotspot der internationalen Textil- und Bekleidungsindustrie aufzusteigen. Dafür sprechen ein jährliches Aufkommen von 1 bis 1,1 Millionen Tonnen Baumwollfasern, günstige Produktionskosten, ein großes Angebot an verfügbaren und motivierten Arbeitskräften, langjährige Produktionserfahrungen sowie eine steigende Nachfrage internationaler Bekleidungs- und Modeketten nach Baumwoll- und Mischgewebeerzeugnissen.

Liberalisierung und Marktöffnung beflügeln Investitionen in die Branche

Bis vor wenigen Jahren gab es trotz zahlreicher Ausbauprogramme wenig Bewegung in der Branche. Heute befindet sich der Industriezweig in einer nicht enden wollenden Boom-Phase. Grund: Die Liberalisierungswelle und Marktöffnung im Land, eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, wachsende Investitionen in die Transport- und Versorgungsinfrastruktur und der geförderte Auf- und Ausbau Dutzender Textil-Cluster, die alle Produktionsstufen abdecken. Dies alles macht Engagements in der Branche attraktiv.

Bedeutendste Textil- und Bekleidungshersteller in der GUS 2018 (in Millionen US$)

  Textilien/Bekleidung Textilien Bekleidung
Russland 6.220 3.350 2.870
Usbekistan 4.040 3.080 960
Belarus 1.560 780 780

Quelle: nationale Statistiken, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Den Ausbau der Textil- und Bekleidungsindustrie betrachtet die Regierung als Eckpeiler sowohl bei der Diversifizierung der Wirtschaft als auch bei der Stärkung der Exportkraft. Im Jahr 2019 war die Branche einschließlich der vergleichsweise kleinen Leder- und Schuhproduktion mit 16,1 Prozent am Ausstoß der usbekischen verarbeitenden Industrie beteiligt. Zum 1. Januar 2019 gab es im Industriezweig mehr als 7.000 Unternehmen und Produktionsstätten. Davon sind rund 1.400 unter dem Dach der Vereinigung Uztextilprom tätig (http://www.uzts.uz; info@uzts.uz; usbekische Bezeichnung: O´zto´qimachiliksanoat uyushmasi).

Ihr gehören an:

- 130 Spinnereien;

- 114 Webereien;

- 54 Strumpfwaren- und 38 Wattehersteller;

- 26 Produzenten von Trikotagengewebe Materialien;

- mehr als 1.000 Nähfabriken (beziehungsweise Produktionsstätten).

Verdreifachung der Exporte auf mehr als 7 Milliarden US-Dollar angestrebt

Die Vereinigung steht für das Gros des Branchenausstoßes im Land. Sie nimmt als Nachfolger eines früheren Industriezweigministeriums bestimmte Aufgaben einer Behörde wahr. Ihr gehören auch rund 160 Unternehmen mit einer ausländischen Kapitalbeteiligung an. Die Partner kommen unterer anderem aus Korea (Rep.), Indien, Singapur, Deutschland, der Schweiz, Italien, Japan, den USA und Russland.

Die jährlichen Branchenexporte sollen laut Uztextilprom bis 2025 auf 7,1 Milliarden US-Dollar (US$) steigen, gegenüber 1,6 Milliarden US$ (inklusive Baumwollfasern) im Jahr 2018. Im Jahr 2019 legten die Ausfuhren ohne Berücksichtigung von Baumwollfasern um beachtliche 25,3 Prozent auf mehr als 1,6 Milliarden US$ zu. Im Jahr 2018 betrug der Zuwachs 14,7 Prozent (auf knapp 1,3 Milliarden US$). Hauptabnehmer waren Russland (592 Millionen US$), China (438 Millionen US$) und die Türkei (197 Millionen US$).

Inbetriebnahme von 41 neuen Produktionsstätten im Jahr 2020 geplant

Anfang 2020 startete Uztextilprom eine neue Initiative für den Ausbau der Produktion und Exporte. Im laufenden Jahr sollen in den Betrieben der Vereinigung 945.000 Tonnen Baumwollfasern und 150.000 andere Textilrohstoffe verarbeitet werden. Angestrebt wird eine Produktion von 770.300 Tonnen Garn, 227.500 Tonnen Trikotagengewebe, 1,1 Millionen Stück Bekleidung und 312 Millionen Paar Strümpfe.

Im Verlaufe des Jahres sollen 41 neue Produktionsstätten mit einem jährlichen Exportpotenzial von gut 190 Millionen U$-Dollar ihren Betrieb aufnehmen.

Die Produktionsziele von Uztextilprom für 2020 liegen zum Teil über der Jahresprogose der erst im Frühjahr 2019 verabschiedeten Konzeption für die Entwicklung der Textil- und Bekleidungsindustrie im Zeitraum 2025.

Zu den Maßnahmen der Exportförderung zählen die Unterstützung der exportorientierten Textil- und Bekleidungshersteller zur Gewährleistungen einer stabilen Gas- und Energieversorgung, bei der Standardisierung und Zertifizierung, im Qualitätsmanagement sowie im Sektor Transport und Logistik. Natürliche Personen sollen im bestimmten Rahmen Exporte ohne bürokratische Verfahren tätigen können. Das Exportförderprogramm sieht auch vor, die Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) über die Erlangung des Allgemeinen Präferenzsystems plus (GSP+) auf Regierungsebene zu beschleunigen. Das System garantiert einen privilegierten Marktzugang in die EU. Viele Waren könnten dann in den EU-Ländern zollfrei importiert werden.

Ausbaupläne in der Textil- und Bekleidungsindustrie Usbekistans

  2018 2021 2025
Baumwollfasern (1.000 t) 818 900 1.000
Verarbeitung von Baumfasern (1.000 t) *) 520 900 1.133
Baumwollgarn inklusive gefärbte und Mischgarne (1.000 t) 443 738 940
Verarbeitung von Baumwollgarn (in Tonnen) 225 467 940
Fertigstoffe (Baumwoll-, Misch-, Bekleidungs-, Möbel-, Frottee-, technische und andere Stoffe; Mio. qm) 463 626 1.426
Trikotagengewebe (auch Mischgewebe; 1.000 t) 94 180 407
Bekleidung/Trikotagen (Oberbekleidung, Unterwäsche, Sportbekleidung; Mio. St.) 369 587 1.388
Fertige Heimtextilien (Mio. St.) 40 62 129
Strumpfwaren (Mio. Paar) 221 351 581

*) inklusive Faserimporte

Quelle: Intexim/Uztextilprom (Ausbaukonzept für die Textil- und Bekleidungsindustrie bis 2025 vom Frühjahr 2019), Staatliches Statistikkomitee (zum Teil aktualisierte Angaben für 2018)

Ausbaukonzept umfasst 209 Projekte für mehr als 3 Milliarden US-Dollar

Die Konzeption für die Entwicklung der Branche im Zeitraum 2025 sieht die Umsetzung von mehr als 200 Modernisierungs- und Ausbauvorhaben mit einem Projektwert von 3,05 Milliarden US-Dollar vor. Im Jahr 2020 sollen 38 Projekte für gut 700 Millionen US-Dollar einschließlich ausländischer Investitionen in Höhe von 240 Millionen umgesetzt werden. Im Folgejahr 2021 ist die Realisierung von 24 Projekten für 320 Millionen US-Dollar (81 Millionen US-Dollar) avisiert.

Die Konzeption bezieht sich auf den Projektstand von Anfang 2019. Inzwischen gibt es viele weitere Ausbau- und vor allem auch Modernisierungsvorhaben mit vielfältigen Liefer- und Kooperationschancen für ausländische Firmen. Im Jahr 2019 hat die Branche mit 1,2 Milliarden US-Dollar so viel wie noch in keinem Jahr zuvor investiert. Solche Anlagevolumina erwarten Marktkenner auch für 2020 und 2021. Das Gros der geplanten Projekte entfällt auf die Produktion von Baumwollgarn. Es folgen die Herstellung von Trikotagengewebe, Baumwoll- und Mischstoffen, Bekleidung und Trikotagen, Frotteehandtüchern, Strumpfwaren sowie Tisch- und Bettwäsche.

Neue Steuerprivilegien sollen Ausbauinitiativen fördern

Mit Wirkung vom Januar 2020 hat Usbekistan die Palette für steuerliche und andere Vergünstigungen in der Branche erweitert. Produzenten von fertigen Textil- und Bekleidungserzeugnissen zahlen bis Ende 2023 keine Vermögensteuer, sofern deren Exporte mindestens 60 Prozent der erzielten Erlöse ausmachen.

Die Bemessungsgrundlage für die Gewinnsteuer können alle Betriebe des Industriezweigs für einen Zeitraum von sieben Jahren um die Ausgaben für den Bau von modernen Wasserreinigungs- und Abwasseranlagen mindern. Ausländische Berater der Branchenvereinigung Uztextilprom und in Textil- und Bekleidungsunternehmen tätige ausländische Experten zahlen auf in Usbekistan erzieltes Einkommen Einkommensteuer nur in Höhe von 50 Prozent des üblichen Steuersatzes.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/usbekistan